Über Schreiber und Sammler
Das schwierige Verhältnis von Journalisten und News-Aggregatoren
Jun 18 2008

Die Suchmaschinenoptimierte Zeitung

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Ob die Internetzeitung der Zukunft nach der Suchmaschinen-‚Grammatik‘ von Google (und Co.) erstellt wird, darüber diskutieren in diesen Tagen Verantwortliche verschiedener Medien. Die Meinungen gehen unter anderem in der Frage auseinander, ob sich im Gegenzug einer besseren Suchmaschinenplatzierung die Ausdrucksweisen der Journalisten ändern – oder sogar ändern sollten, so sie denn auf dem Markt Erfolg haben wollen.

Search Engine Optimization (SEO)…
…beschreibt die bewusste Anpassung von Webseiteninhalten an die Suchalgorhythmen von Google, Yahoo und Co. Zu diesen Mechanismen gehört etwa bei Google, dass eine Webseite häufig (und am besten von wichtigen) anderen Seiten verlinkt sein muss, um einen guten Platz in den Ergebnissen zu bekommen und den Webstandards gerecht werden sollte.
Bei journalistischen Texten, die für eine gute Google-News-Platzierung optimiert werden sollen gilt im Übrigen, die Schlüsselbegriffe prominent zu platzieren – etwa in Titel, URL oder Vorspann (Peter Schink von „welt.de“ erläutert weiteres in einem Vortrag, der auf onlinejournalismus.de auditiv verfügbar ist).

Auch wenn einiges dafür spricht, die Aggregations-Mechanismen des Internets zumindest beim formulieren der Überschrift irgendwie im Hinterkopf zu haben, versichterte SpiegelOnline-Chef Wolfgang Büchner offenbar gegenüber der Branchenzeitung Horizont (Artikel), „Kreative Headlines“ würden von seinem Haus nicht verboten. SpiegelOnline schielt bei der Überschrift demnach nicht auf Googles Pagerank.

Welt.de schöpft indes das Potential des Marketinginstruments Suchmaschine prinzipieller aus. Indiz dafür ist mindestens die Haltung des welt.de-Suchmaschinenoptimieres, Peter Schink (siehe Schaukasten), bzw. einfach der hohe Anteil an Besuchen auf der Seite, die von Google kommen. Der Anteil soll bei 50 Prozent liegen. Auch wenn die meisten laut Schink durch googlen des Begriffs „welt.de“ kommen, ist die starke Beachtung von Suchmaschinenstandards durch die welt.de-Redaktion weitgehend unbestritten. Und ihr Erfolg damit.

Die abwertenden Meinungen der Konkurrenz zum welt.de-Suchmaschinenerfolg, wie die von sueddeutsche.de-Chef Hans-Jürgen Jakobs („irrsinnig hoher Nutzeranteil… via Google und Google News“, Horizont 24/2008), werden gern als Neid von Verwaltern veralteter Redaktions-Systeme abgetan. Der Markt habe nun mal, so die gängige Pro-SEO-Meinung, ein neues Instrument, um die journalistischen Werke an den Leser zu bringen. Und dann solle man dieses auch nutzen.

Dabei ist Diskussion nicht so neu, dass man von einer Überraschung sprechen könnte. New-York-Times-Autor Steve Lohr wies vor zwei Jahren auf die wachsende Bedeutung der Nachrichten-Suchmaschinen hin („This Boring Headline Is Written for Google„). Auch er findet offenbar nur auf eine Google-Zukunft hingewandte Experten – solange die Suchmaschinenoptimierungen nicht den Urteilen über die Nachrichten in den Weg kommen, wird der ehemalige Präsident von CBS Digital Media, Larry Kramer, abschließend von Lohr zitiert.

Die Herkunft der Internetzeitungsbesucher liegt gängigen Einschätzungen nach je nach Medium unterschiedlich in 15 bis 50 Prozent der Fälle bei Suchmaschinen, allen weit voran Google. Das ist doch eine Größe, die aufmerksam macht. Womöglich weist diese Entwicklung auf eine neue Rolle der Publikationshäuser, praktisch als Zulieferer der Suchmaschinen hin, wenn doch viele Leser Google als Tor zur Zeitungswelt begreifen.


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  1. Du willst das Folgende bald veröffentlichen:
    Mach weiter und beginne mit dem Schreiben.