Über Schreiber und Sammler
Das schwierige Verhältnis von Journalisten und News-Aggregatoren
Jun 16 2008

Wozu noch Zeitungen?

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collage-nachrichtenagenturen-zeitungenAußerhalb jeglichen Wettbewerbs und nebenbei unabhängig von der Preisfrage der Akademie für Publizistik (Hamburg) wird hier der Frage nachgegangen, welchen Vorteil eine redaktionell zusammengestellte (Internet-) Zeitung gegenüber frei zugänglichen Agenturmeldungen haben könnte.

Logos der Nachrichtenagenturen AP und AFPAnlass sind die facettenreichen Einigungen vierer Nachrichtenagenturen mit Google, bzw. Google-News, aus dem August 2007. Die Agenturen Agence France-Press (AFP, Frankreich), Associated Press (AP, USA), Press Association (PA, Großbritannien) und Canadian Press (CP, Kanada) lassen ihre Meldungen seitdem in das Potpourri Google-News einbinden, und das an prominenter Stelle.

Diese Lizenzabkommen sollten unter anderem zur Folge haben, dass die oft tausendfach kopierten Agenturmeldungen nun leichter im Original gefunden werden. Als erwünschten Nebeneffekt kündigte AFP-Chef Pierre Louette damals an, dass die Leser dann leichter zu den Analysen und Meinungen der Publikationshäuser surfen können.

Logo Google-NewsGoogles Ziel sei es immer gewesen, dem Nutzer „so viele unterschiedliche Quellen zur Verfügung zu stellen, wie möglich“, verkündet die Public-Relations-Arbeit von Google in Person des leitenden Mitarbeiters Josh Cohen im Google-News-Blog in ähnlichen Worten. Und diesem Ziel komme man durch die nun besseren Möglichkeiten, Dubletten aussortieren zu können, näher.

Die Nachrichtenagenturen begeben sich in ihrer neuen Rolle als Publizisten jedoch auf eine Gratwanderung. Selbst wenn durch die Verträge mit Google — ähnliche Abkommen bestehen übrigens schon seit Jahren mit Yahoo!-News und MSNBC — selbst wenn dadurch beim Leser Kapazitäten für Analysen und Meinungen der einzelnen Publikationshäuser frei werden: der Bedarf der Zeitungsverlage, die Agenturen zu abonnieren, wird wohl geringer.

Dass die Agenturen nun „via Google News quasi mit der eigenen Kundschaft“ konkurrieren, relativierte der Netzwelt-Ressortchef vom ‘Spiegel’, Frank Patalong, zwar in einem Artikel zum Thema gleich wieder. Die verhältnismäßig geringen Reichweitenzahlen von Google-News sprächen dagegen. Doch bleibt auch für ihn fraglich, ob „redaktionell gestaltete Produkte“ ersetzbar sind (durch reine Meldungsbuketts).

Redaktionell erstellt sind selbstverständlich auch die Agenturmeldungen (AP beschäftigt nach Unternehmensangaben schließlich 3000 Journalisten). Betrachtet man jedoch einmal die Entstehung der AP als arbeitsteiligen Zusammenschluß von Redaktionen, liegt der Eindruck, die Außendienstmitarbeiter der Publikationshäuser machten nun ihr eigenes Blatt, nicht fern.

Eine Entwicklung könnte also sein, dass die Agenturen in Zukunft die Nachrichten machen und die Zeitungen zu meinungstarken „besseren Blogs“ werden, bei denen man immerhin noch weiß woran man qualitätsmäßig ist. Eine andere, dass die Zeitungen sich verstärkt verpflichtet fühlen, selbst wie Nachrichtenagenturen zu arbeiten und die Leser durch Recherchen abseits der Ereignisse des Tages und lokale Themen bei Laune gehalten werden.

Eine Zukunft ohne Zeitungen will keiner der drei Mitspieler, Nachrichtenagenturen, Google-News und Zeitungshäuser. Gründe dafür gibt es viele. Vielleicht findet sich bei den Preisträgern des tatsächlich stattfindenden Schreibwettbewerbs, die am 20. Juni 2008 verkündet werden, der schönste davon.

In eine ähnliche Kerbe schlägt übrigens der folgende Animationsfilm. Er handelt von einer (vorläufig) fiktiven Vorschau auf Entwicklungen, wie man sie von Google vielleicht erwarten kann und wurde im Original 2005 von Robin Sloan and Matt Thompson erstellt. Hier die von einer Internetagentur erstellte deutsche Version.

Mehr über News-Aggregatoren findet sich im Übersichtsartikel.

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  1. Du willst das Folgende bald veröffentlichen:
    Mach weiter und beginne mit dem Schreiben.